Das traditionelle Abnehmen des Schleiers vor dem ersten Kuss als Mann und Frau ist der wohl romantischste Moment einer Trauung. Die verschiedensten Schleier-Formen vom mondänen Pouf, dem klassischen Blusher oder einem romantischen bodenlangen Schleier lassen dabei garantiert keine Braut-Wünsche offen. Kombiniert mit dem richtigen Kleid steht der märchenhaften Traumhochzeit nichts mehr im Weg.

Spitzenschleier

Schleierlängen und ihre Bedeutungen

  1. schulterlang: Der klassische Schleier vor dem Gesicht, der für den ersten Kuss als Ehepaar nach hinten geschlagen wird.
  2. bis Ellenbogen oder Fingerspitze: Moderne Varianten, die zu jedem Brautkleid-Typ und jeder Hochzeitsfeier passen.
  3. bodenlang: Typischer Kirchenschleier, der aufgrund der Länge oft nur zur Trauung selbst getragen und dann abgenommen wird.
  4. Kapellen-Schleier: Ein mindestens zwei Meter langer Schleier, nur für sehr feierliche Trauungszeremonien.
  5. Kathedralen-Schleier: Der rund drei Meter lange Schleier, den man eigentlich nur von königlichen Hochzeiten kennt.

Kürzere Schleierformen und die dazu passenden Kleider

Birdcage

Obwohl der Schleier als Braut-Accessoire noch immer enorm beliebt ist, hat er seine traditionelle Bedeutung längst hinter sich gelassen. Statt den Übergang vom Mädchen zur Ehefrau zu verdeutlichen, ist er heute ein spielerisches Modeaccessoire für alle Märchenbräute. Egal ob sanft umspielend oder kunstvoll hochdrapiert, in der Kirche, zu standesamtlichen oder gar freien Trauungen – erlaubt ist, was gefällt.

Besonders ausgefallen ist heutzutage ein mehrlagig hochdrapierter Schleier-Mix. Die sogenannten Flyaways oder auch Fontänen bestehen zum einen oft aus unterschiedlichen Schleiern, sind zum anderen trotzdem relativ kurz und fallen so durch ihr Volumen ins Auge. Kombiniert werden sollten solche individuellen Exemplare mit einem möglichst schlichten Kleid. Weitere extravagante Schleier-Varianten sind:

  • Pouf: Schleier mit dramatisch abstehendem Schirm, der durch Raffungen am Übergang zum Haar mit einem Kamm festgesteckt wird, besonders schön zu kürzeren Kleidern.
  • Birdcage: Sehr grobmaschiger Schleier, der maximal bis zum Kinn und meist nur knapp über die Augen geht, wird auch zum Kuss nicht zurückgeschlagen, atemberaubend zu Kleidern im Stil der 50er Jahre.

Die klassischen schulterlangen Schleier, häufig als Blusher bezeichnet, bedecken traditionell nur das Gesicht und werden für den typischen Braut-Look mit längeren Schleiern kombiniert. Sie komplettieren mit ihrer Länge von maximal 60 Zentimetern nicht nur schmale, sondern auch reich bestickte Kleider besonders schön.

Die mittellangen Multitalente unter den Brautschleiern

fingerspitzenlanger SchleierWährend von einem Blusher bei ausladenden Ballkleidern eher abzuraten ist, entfalten Duchesse- und Sissi-Kleider ihre volle Wirkung erst mit einem fingerspitzenlangen Schleier. Dieses Multitalent passt außerdem auch perfekt zu den Silhouetten von eleganten Empire-Kleidern und A-Linien. Noch anpassungsfähiger ist nur der Ellenbogen-Schleier. Der 60 bis 100 Zentimeter lange Schleier gilt als einer der beliebtesten Brautschleier und passt zu jedem Brautkleid.

  • Tipp: Besonders atemberaubend kann ein ellenbogenlanger Schleier zu schulterfreien Brautkleidern aussehen.

Eine weitere mittellange Variante sind mehrlagige Schleier, bei denen nach Lust und Laune zwei oder mehr Schleier in unterschiedlicher Länge übereinander getragen werden. Dabei ist zu beachten, dass der obere Schleier immer kürzer ist, als der untere und die erste Kante entweder ca. drei Zentimeter über oder unter das Dekolleté des Kleides fällt. Damit das Brautkleid nicht neben dem Volumen des mehrlagigen Schleiers in den Hintergrund rückt, empfiehlt sich ein etwas aufwendigeres Modell.

Steigender Beliebtheit erfreut sich der von einem dekorativen Kamm im Haar gehaltene Mantilla-Schleier. Mit breiten Spitzen im spanischen Stil und einer variablen Länge schmiegt er sich dicht um das Gesicht und den Körper der Braut. Seine sehr grazile Anmut kombiniert Frau am besten zu schlanken, femininen Kleidern.

Prinzessinnen-Traum: Dazu passen die bodenlange Märchenschleier

Bodenlanger SchleierHeimliche Prinzessinnen träumen natürlich von einem traumhaft langen Schleier, der sie von Kopf bis Fuß einhüllt. Mit einem Waltzer Schleier, der mit maximal zwei Metern entweder bis zu Wade reicht oder auch sanft auf dem Boden aufliegt, kann dieser Traum wahr werden. Wichtig ist dabei nur, dass das Brautkleid selbst keine Schleppe hat und optimal auch sehr schlicht gehalten ist.

Die beiden fast schon als Königsklasse verstandenen Schleier sind der Kapellen- und der Kathedralen-Schleier. Während ein Kapellen-Schleier nur zu eleganten, schlichten und schmalen Empire-Kleidern bzw. A-Linien passt, trifft auf den Kathedralen-Schleier genau das Gegenteil zu. Dieser pompöse Schleier verträgt sich lediglich mit ausladenden Kleidern im ganz großen Stil, wie zum Beispiel die Duchesse-Modelle.

Bedeutung und Tradition eines Brautschleiers

Eindeutig belegt ist die Verwendung eines Brautschleiers bereits zu Beginn des dritten Jahrtausends v. Chr. Zu dieser Zeit dürften sich in Mesopotamien sowohl Bräute als auch Gottheiten mit einem Schleier verhüllen. Sieben Jahrhunderte später übernahm das Christentum diesen Brauch und prägte die Symbolkraft eines Schleiers als Zeichen der Jungfräulichkeit.

Der – heute nur noch metaphorische – Übergang von mädchenhafter Unschuld zur ehelichen Keuschheit der zukünftigen Gattin wurde durch die Farbe des traditionell weißen Schleiers noch verstärkt. Dabei ist der Brautschleier nicht nur das allererste optische Must-Have für jede perfekte Braut, sondern mit seinem unbefleckten Weiß des Schleiers auch der erste Bestandteil der heute typischsten Braut-Farbe.

  • Hinweis: Weiße Brautkleider kamen erst ab dem 20. Jahrhundert in Mode.

Statt durch einen weißen Brautschleier wurde Bräute im Alten Rom komplett in eine Decke gehüllt. Diese war allerdings nicht weiß, sondern als Sinnbild für Liebe, Hingabe und Treue tiefrot. Traditionell wird die verhüllte Braut vom Brautvater an den zukünftigen Ehemann übergeben. Dieser dürfte dann als Einziger den Schleier wieder lüften und so unter anderem auch sichergehen, dass man ihm nicht die falsche Frau unterjubelte.

  • Tipp: Nach dem Abnehmen des Schleiers um Mitternacht können heiratswillige Damen beim Schleiertanz versuchen, das größte Stück abzureißen, um als Nächste zu heiraten.

Das metaphorische Verbergen der Braut, die sich als Frau nur von einem Mann, ihrem angetrauten Gatten, enthüllen lässt, diente auch dazu, ihren Abschiedsschmerz vom Elternhaus zu verbergen. Noch wichtiger war damals allerdings der Schutz, den der Brautschleier vor bösen Geistern bot, die auf das Glück des Paares neidisch waren.